corinthium aes

 

 
 

Korinthisches Kupfer

Aes Corinthium oder Corinthium aes waren die antiken Bezeichnungen der schon in der (Vor-)Antike hoch geschätzten Legierung, die man im Deutschen meist mit Korinthisches Erz wiedergibt. Was natürlich eine nicht ganz treffende Übersetzung darstellt, impliziert diese Wiedergabe doch, dass Corinthium aes ein abbaubares Erz wäre. Korrekter sollte man also von Korinthischem Kupfer oder der Korinthischen Legierung sprechen. aes, aeris lateinisch/deutsch: Erz, Kupfer, Bronze - hiervon leitet sich das aes als Bezeichnung für das römische Kupfergeld, das bekanntlich vom ungemünzten aes rude stammt und nach seinem Gewicht bewertet wurde, ab.

 
 
 
 
 

Πτολεμαῖοι und Corinthium aes

Corinthium aes ist also kein Erz, sondern eine Legierung. Und auch der Name Corinthium, der auf die entsprechende Stadt verweist, ist so nicht ganz korrekt. Denn das Schwarzgold - korrekter die Schwarzbronze HMTY-KM - der ältägyptischen Epochen kann man sehr wohl als die ursprüngliche Entwicklungslinie ansehen. Durch die Eroberungen Alexander des Großen und den kulturelle-technischen Austausch des ptolomaischen Ägyptens mit Griechenland, entstanden die bekannten Zentren der Legierungsherstellung auf Äginia, Delos und der Festlandspolis Korinth. Diese prägten die Herstellung des Corinthium aes für diverse Luxusartikel (Armreife, Ringe, uvm.) bis hin zu kompletten Statuen durch die komplette griechisch-römische Epoche. Von den drei ursprünglichen Herstellungsstätten wurde Korinth die bekannteste, was dann auch zur noch immer gebräuchlichen Namensgebung führte.

 
 
 

Bezeichnungen

ägypt. Bezeichnung gem. Gardiner HMTY KM - griechisch Κορινθιακό χάλκινο - mykenische Bezeichnung κυανος - lateinische Bezeichnungen Corinthium aes oder aes Corinthium. HMTY KM: Determenative / Ideogramm im vorliegenden Fall Ideogramm mit der Bedeutung *Kupfer (*achmtj), Messing, Objekt aus Kupfer oder Bronze. Darunter die Glyphe für Schwarz. Getrennt durch die drei Striche des Pluralmarkers und abgeschlossen durch das phonetische km, u.a. mit der Bedeutung (Kupfer-)Korn/Erz.*

Zwei Designentwürfe unter der awDL adv: Hintergrundbild bei Namensnennung gestattet: Ankh-Replik aus Corinthium aes der Manufaktur Markus Eckardt (Ensdorf, www.mokume-saar.de), Glyphen nachgetragen. Der CCSA 4.0 ist genüge getan, wenn die Zusatzformulierung der awDL adv. ausgeführt wird.
 
 

 
 

Vernarbungsfreies, schwarzes Gold der Antike

Die Bezeichnung „das schwarze Gold der Antike“ rührt von zwei einfachen Begebenheiten der Legierung her. Zum einen kann man eine maximal 4-5%tige Beimung von Gold als Legierungsbestandteil in allen Herstellungsorten der Antike festmachen und zum anderen bildet Schmuck auf Corinthium Aes eine aubergine-schwarze Patina aus. Diese kann weggehen, wird sich aber durch den reinen Körperkontakt immer wieder neu bilden, so dass es keine Vernarbung des Schmuckes gibt - bzw. diese nicht sichtbar ist. Die Neubildung der Patina erfolgt dabei durch Oxidation der Legierung mit Luftsauerstoff, vor allem aber dem Körperschweiß.

 
 
 
 

Corinthium aes - die Legierung

Betrachtet man die diversen Herstellungsorte und -zeiten der Legierung muss man feststellen, dass es nie DIE Legierung gab. So gab es unterschiedliche Beimengungen in Form edler und unedler Metalle und auch die Quantität variierte dabei. Dennoch lassen sich einige signifikante Übereinstimmungen festmachen. So war die Legierung stets zu über 90 Prozent kupferbasierend, die Beimischung von Gold und Silber überschritt nie 5 Prozent als Beimenungen. Variationen stellten Zusätze von Arsen, Blei, Eisen und Zinn an.

Übrigens: Lange Zeit zweifelte man antike Quellen - so auch Plinius: Naturkunde, 34.5 - an, da die Forschung nicht nachvollziehen konnte, warum man sich die Edelmetallbeimenung zu Kupfer nicht erklären konnte. Doch gerade die Vernarbungsfreiheit der aus Corinthium hergestellten Produkte waren der tatsächliche Anreiz gewesen und somit das Erreichen einer schwarzen Patina.

 
 
 
Diese Bilder unterliegen der awdl.
 
 

Corinthium aes an der Saar

Durch den bekannten Goldschmied und Mokume Gane Artist Markus Eckardt, der seine Manufaktur in Ensdorf (Saar) betreibt, wurde dem Institutsmuseum mehrere Exponate zur Verfügung gestellt. Drei ausgesuchte haben wir in der obigen Galerie wiedergegeben. Es handelt sich Replikate von Schmuckstücken aus der römischen Antike: ein Frauenring, ein Armreif sowie ein Männerring. Die schwarze Patina sieht man dabei in ihrer schönsten Ausprägung nur am Armreif, im Männerring stellenweise.

Eine neue Entwicklungslinie des alten Metalls stammt aus dem Saarland

In der nachfolgenden Galerie sehen Sie diverse Corintium Aes Schmuckstücke, die in der Manufaktur Markus Eckardt in 2013/4 entstanden sind. Eine Besonderheit der Manufaktur liegt darin, dass die Schmuckstücke auf Wunsch mit durchgängig vorhandener Patina - meist sogar in tiefschwarz - hergestellt werden; d.h. der Wechsel zwischen kupfer-goldfarben und schwarz findet erst bei tiefgreifender Vernarbung des jeweiligen Schmuckstückes statt, ansonsten nicht.

 
 
 
 
Beispiele für Dauerpatina bei Corinthium aes, Markus Eckardt
Diese Bilder unterliegen dem alleinigen Copyright der Manufaktur Markus Eckardt.
 
Problem und Lösung und Corinthium im ungewohnten Umfeld
Gegen den typischen Abrieb bei Corinthium Aes hat die saarländische Manufaktur Markus Eckardt zwei gänzlich unterschiedliche Lösungsansätze entwickelt. Einmal einen aus Edelmetall bestehenden Innenring und zum anderen eine Corinthium-Patina in Vollausbildung und Erhalt - also ohne Neubildungszyklus durch Luftoxidation und Schweiß, außer im Vernarbungsfall des Schmuckes. Durch die Verwendung von Corinthium als Ersatz für das japanische Rotgold Shakudō geht die Manufaktur ebenfalls eigene Wege. In den beiden Bildern kann man schön den Braunton der noch nicht vollständig oxidierten Legierung sehen. Später werden diese Bereiche einen deutlichen Schwarzton mit leichtem Schimmer aufweisen. Japan trifft Mittelmeer, zwei ähnliche Schwarzkupferlegierung tauschen die Plätze.
 
 

Wallpapers der Mokume Gane Manufaktur Eckardt

Lizenz: Bild: Phelan, Foto: Mokume Gane Manufaktur Eckardt (Ensdorf, www.mokume-saar.de), AWDL enh. Lizenz oder ähnliche. Weitergabe unter Namensnennung (ausreichend: Mokume Gane Manufaktur Eckardt (Ensdorf, www.mokume-saar.de) oder die dort verwendete Regelung. Zumindest eine indirekte Namensnennung muss gewährleistet sein. Ggf. bitte nachfragen).

 
 
 

Weiterführende Literatur

Alessandra R. Giumlia-Mair u.a.: Das schwarze Gold der Alchimisten - Corinthium Aes, Darmstadt 1993.

Andreas Neumann: Mokume Gane-Damast als Beispiel japanischer Entwicklungslinien (Astarte-Verlag), In: Offene Abstract- u. Essay-Sammlung der All Asian Society, Wadgassen 2000-2007, S. 21ff.

Alessandra R. Giumlia-Mair u.a.: Experimental reproduction of artificially patinated alloys, identified in ancient Egyptian, Palestinian, Mycenaean and Roman object. (Riproduzione sperimentale di leghe artificialmente patinate, identificate in ogetti antichi egiziani, palestinesi, micene (Conference Paper), Eindhoven 2003.

John D. Cooney: On the Meaning of [black copper/bronze], Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 93, Berlin 1966, S. 43-48.

 
 
 
 
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