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Paul von Lettow-Vorbeck



Militärische Laufbahn
Paul von Lettow-Vorbeck trat im Februar 1888 als Portepee-Fähnrich ins 4. Garde-Regiment zu Fuß ein, wurde 1889 Sekondeleutnant, 1895 Premierleutnant und 1901 Hauptmann. 1900/01 nahm er an der Zerschlagung der Boxerbewegung in China teil. In der Kolonie Deutsch-Südwestafrika nahm er zwischen 1904 und 1906 als Adjutant bei Generalstabschef Martin Chalet de Beaulieu und als Kompaniechef an der Niederschlagung des Aufstands der Herero teil. Bereits im Herbst 1906 kehrte er allerdings wieder nach Deutschland zurück und wurde zum Großen Generalstab kommandiert. 1907 wurde er unter Beförderung zum überzähligen Major zum Adjutanten des Generalkommandos des 11. Armeekorps ernannt. Im März 1909 wurde er Kommandeur des II. Seebataillons in Wilhelmshaven. Als Oberstleutnant wurde er unter dem 18. Oktober 1913 zum Kommandeur der kaiserlichen Schutztruppe für Kamerun ernannt. Ehe er sein Kommando dort antreten konnte, erfolgte bereits die Kommandierung zur Vertretung des Kommandeurs der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, der er seit 13. April 1914 auch formell als Kommandeur vorstand.


Tätigkeit in Deutsch-Ostafrika
Im Ersten Weltkrieg gelang es ihm, Deutsch-Ostafrika bis 1916 erfolgreich gegen die Briten zu behaupten, wobei er in der Schlacht von Tanga einen Landungsversuch zahlenmäßig überlegener Kräfte der Angloindischen Armee zurückschlug. Nachdem sowohl die Briten in Kenia wie auch Belgier im Kongo ihre Kräfte verstärkt hatten und ab Januar 1916 zur Großoffensive übergingen, musste sich die Schutztruppe schrittweise zurückziehen und war ab Ende 1916 in den Süden der Kolonie abgedrängt. Lettow ging zu Guerilla-Taktiken über und manövrierte die alliierten Verbände durch Schnelligkeit und enorme Marschleistungen immer wieder aus. Im November 1917 zogen sich die Reste der deutschen Kolonialtruppen aus Deutsch-Ostafrika nach Mosambik (damals Portugiesisch-Ostafrika) zurück und führten dort ihren Buschkrieg fort. Dabei banden sie weiterhin erhebliche britische Truppen, denen es nie gelang, die Schutztruppe entscheidend zu stellen. Mitte 1918 kehrte Lettow-Vorbeck angesichts britischer Verstärkungen in Mosambik wieder nach Norden um und marschierte überraschend zurück nach Deutsch-Ostafrika. Er gelangte durch den Süden des Landes bis nach Nordrhodesien. Dort erfuhr er vom Waffenstillstand in Europa.

Bei seinen weißen Offizieren und Unteroffizieren sowie bei der deutschen Zivilverwaltung erzeugten vor allem seine kriegsbedingten Befehle, die Einschränkungen des kolonialen Luxuslebens mit sich brachten, oft Unwillen. Mit Gouverneur Heinrich Schnee bestanden von Beginn an erhebliche Differenzen über die Kriegsziele: während Schnee vor allem auf den Erhalt des Schutzgebietes in seinem Bestand Wert legte und dazu auch zu Konzessionen an die Briten bereit war, versuchte Lettow-Vorbeck zur Entlastung der Heimatfront möglichst viele alliierte Truppen auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz zu binden. Trotz einer vielfachen zahlenmäßigen Unterlegenheit kämpfte er mit seiner Truppe vom deutschen Mutterland isoliert weiter.

Die humanen Kosten seiner Kriegsführung hatte vor allem die afrikanische Bevölkerung der Kolonie zu tragen. Umkämpfte Gebiete wurden verwüstet, arbeitsfähige Männer und Lebensmittel weggenommen, -zigtausende starben so an Hunger und Krankheiten. Die Rekrutierung von Trägern für Nachschub und Materialtransport im wegarmen Land durch alle kriegsführenden Seiten kostete nach sachkundigen Schätzungen mindestens 100.000 Träger das Leben.[1


Die Truppen Lettow-Vorbecks bestanden zum größten Teil aus einheimischen Askari. Nur einige hundert Deutsche bildeten vor allem das Offizierskorps. Mitte 1915 wurden auch die Überlebenden des Kleinen Kreuzers Königsberg mit der geborgenen Schiffsartillerie in seine Truppe eingegliedert. ]

Ende des Ersten Weltkriegs
Am 13. November 1918, also zwei Tage nach dem Waffenstillstand in Europa, erfuhr der inzwischen zum Generalmajor ernannte Lettow-Vorbeck aus den Papieren eines gefangengenommenen britischen Motorradfahrers, der die Meldung den britischen Truppen überbringen sollte, von der Kapitulation Deutschlands und der angeordneten Übergabe der Schutztruppe binnen eines Monats. Lettow-Vorbeck misstraute der Meldung, da er mangels Kommunikationsmöglichkeiten die Nachricht nicht vom deutschen Oberkommando bestätigen lassen konnte.

Schließlich traf aus Salisbury in Südrhodesien eine Bestätigung des Waffenstillstands ein, an der nicht zu zweifeln war. Am 18. November 1918 erfuhren dann die letzten kämpfenden Einheiten beider Seiten von der Waffenruhe in Europa. Man vereinbarte mit den Briten den gemeinsamen Abmarsch nach Abercorn südlich des Tanganjika-Sees, wo Lettow-Vorbeck am 25. November 1918 offiziell die Waffen niederlegte.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde ihm und den überlebenden 143 deutschen Soldaten im März 1919 in Berlin ein triumphaler Empfang bereitet. Im April 1919 übernahm er die Führung der dem Garde-Kavallerie-Schützen-Korps unterstehenden Marine-Division, zu dem auch das Schutztruppen-Regiment 1 gehörte. Am 30. Januar 1920 wurde ihm der Königlich-Sächsische Militär-St.-Heinrichsorden verliehen. Den höchsten preußischen Militärorden, den Pour le Mérite, hatte er bereits am 4. November 1916 erhalten, das Eichenlaub dazu am 10. Oktober 1917.


Freikorps und Kapp-Putsch
In Hamburg begannen am 23. Juni 1919 Aufstände wegen verdorbener Lebensmittel (die sogenannten Sülze-Unruhen). Vier Tage nach Beendigung der Kampfhandlungen marschierte Lettow-Vorbeck mit dem „Korps Lettow“ am 1. Juli 1919 in Hamburg ein, obwohl bereits wieder Ruhe eingekehrt war. Von Lettow-Vorbeck trat mit seinem Korps der von Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt geführten Marine-Brigade Ehrhardt als Divisionskommandeur bei. 1920 wurde er wegen seiner Teilnahme am Kapp-Putsch vor ein Kriegsgericht gestellt und aus dem aktiven Militärdienst entlassen.


Weimarer Republik und NS-Zeit
Bereits kurz nach Ende des Kriegs veröffentlichte er zwei Bücher, die sich mit seiner Zeit in Ostafrika beschäftigten (s. u.) und heute kontrovers diskutiert werden. Darin forderte er die Rückgabe der Kolonien mit der Begründung, die Siegermächte hätten sie sich zur Erweiterung eigener Kolonialbestände einverleibt, von „Befreiung“ könne keine Rede sein. 1923 zog er nach Bremen, wo er als Großhandelskaufmann in der Firma Konrad Keller & Cie arbeitete.

1926 konnte er es durchsetzen, dass seine ehemaligen Askaris den noch ausstehenden Sold erhielten und außerdem eine kleine Rente, die auch später durch die Bundesrepublik Deutschland weitergezahlt wurde.

Lettow-Vorbeck war Mitglied im Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten.[2
Von 1928 bis 1930 war er Abgeordneter der rechtskonservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) im Reichstag; im Juli 1930 wechselte er zur gemäßigten Volkskonservativen Vereinigung, dies ein Hinweis darauf, dass er nicht bereit war, den Rechtsruck der Partei unter ihrem seit 1928 amtierenden Vorsitzenden Alfred Hugenberg mitzutragen.

Von Lettow-Vorbeck wurde 1933 von Hitler umworben und erfolglos zum Eintritt in die NSDAP aufgefordert. Die Leitung des ihm angebotenen Reichskolonialministeriums lehnte er ab. Er wurde „Staatsrat“ in Bremen, einer der höchsten Posten der Stadt.

Im Juni 1934 sprengte ein SA-Rollkommando einen Vortrag von Lettow-Vorbeck vor ehemaligen Angehörigen der „Schutztruppe“, Mitgliedern des „Stahlhelms“ und Freunden, und verprügelte die Anwesenden einschließlich Lettow-Vorbecks.

Propagandaminister Joseph Goebbels notierte am 21. Januar 1938 über Lettow-Vorbeck in seinem Tagebuch: „Auch so ein Reaktionär!“ Und wenig später: „Lettow-Vorbeck stänkert gegen den Staat und gegen die Partei. Ich lasse ihm das öffentliche Reden verbieten.“ So passte z. B. Lettow-Vorbecks Hochachtung vor den Askaris nicht ins rassistische Weltbild der Nazis. Nachdem er wieder öffentlich reden durfte, vermied Lettow-Vorbeck verbale Attacken auf Staat und Partei und befasste sich ausschließlich mit Kolonialfragen und Kriegserinnerungen.

1938 ernannte Hitler den 68-jährigen trotzdem zum General zur besonderen Verwendung, Lettow-Vorbeck stimmte zu. Im gleichen Jahr wurde auch die Leeraner Kaserne und 1939 ein Bremer Gymnasium nach ihm benannt.

Am 5. Juni 1940 fiel sein Sohn, Rüdiger von Lettow-Vorbeck, am 19. Oktober 1941 sein Bruder Arnd. 1945 wurde das Haus Lettow-Vorbecks in Bremen durch einen Luftangriff zerstört.

Lettow-Vorbecks Verhältnis zum Nationalsozialismus scheint widersprüchlich. Einerseits begrüßte er Hitlers Machtergreifung und trat auch auf Veranstaltungen, insbesondere in der Kolonialfrage, bis 1938 als Redner auf, andererseits stießen seine regimekritischen Äußerungen bei den Nazis auf Missfallen. So protestierte er in den Jahren 1933/34 gegen die Absetzung des Bremer Polizeikommandeurs Walter Caspari bzw. gegen die Eingliederung des „Stahlhelms“ in die SA.

Die Nationalsozialisten versuchten Lettow-Vorbecks Popularität für ihre Zwecke zu nutzen, dieser blieb seiner konservativ-reaktionären Haltung jedoch treu und setzte sich lediglich für die Rückgabe der Kolonien ein.[3] Als die Nazis ab 1943 dem Kolonialrevisionismus zugunsten der Eroberung des „Lebensraumes Ost“ dann endgültig die Absage erteilten, war Lettow-Vorbeck für die Nazis uninteressant. ]

Letzte Jahre
Nach Kriegsende, inzwischen 75-jährig, verdingte er sich unter anderem als Gärtner. Im Auftrage einer Illustrierten konnte er 1953 nochmals seine ehemaligen Wirkungsstätten in Übersee bereisen. Dabei erkannte er, dass die alten Urteile und Meinungen, für die er ins Feld gezogen war, keine Gültigkeit mehr besaßen. „Die Reisen haben mir auch vor Augen geführt, [...
wie schnell auch aus einfachen Schwarzen Menschen mit beträchtlicher Kultur werden können, die ihr Schicksal selbst bestimmen und frei von Bevormundung werden wollen.“ Drei Jahre später, 1956, wurde von Lettow-Vorbeck zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Saarlouis ernannt. 1957 erschienen seine Memoiren mit dem Titel „Mein Leben“. Da die Bundesregierung eine Rente nicht vorsah, sammelte sein Gegner aus dem Ersten Weltkrieg, Jan Christiaan Smuts, unter seinen Offizieren finanzielle Unterstützung für ihn. Als von Lettow-Vorbeck 1964 in Hamburg starb, reisten eigens einige noch lebende Askaris der ehemaligen Schutztruppe auf Einladung des Auswärtigen Amtes an, um „ihrem“ General die letzte Ehre zu erweisen. Einige Offiziere der Bundeswehr wurden für die Ehrenwache abkommandiert und Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel hielt die Trauerrede mit dem Kernsatz, der Tote sei wahrlich im Felde unbesiegt gewesen. Paul von Lettow-Vorbeck wurde in Pronstorf, Kreis Segeberg, Schleswig-Holstein auf dem Friedhof der Vicelinkirche beigesetzt.

In mehreren deutschen Städten sind Straßen nach Paul von Lettow-Vorbeck benannt. Vier Bundeswehrkasernen in Leer, Hamburg-Jenfeld, Bremen und Bad Segeberg tragen bzw. trugen den Namen des Generals. ]


Textquelle: , für Versionen und Autoren vgl.

 


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