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Völklingen und die Wadgasser Abtei




1290
Der erste erwähnte Pfarrherr von Völklingen (Wolkinge) war ein gewisser Godelmann, der am 15. Juni 1290 zusammen mit einem Priester Johann von Malstatt als Schiedsrichter in einem Streit um Güter der Abtei Wadgassen in Werbeln auftrat (vgl. "Vortrag des Herrn Willi Stockert vom 25. Nov. 1982 vor dem Heimatkundl. Verein Warndt (Heimatbeilage Warndt)).


1684
Am 17. Dezember 1684 begann für die Völklinger Martinskirche die Simultanzeit, die 154 Jahre dauerte. Am 21. Dezember 1684, zur Zeit Ludwigs des XIV. ordnete die französische Verwaltung an, dass in allen Orten, in denen sich nur eine Kirche befand, die evangelische Gemeinde diese den Katholiken für ihre Gottesdienste zur Verfügung stellen müsse. In der Martinskirche wurden nun auch wieder katholische Gottesdienste gefeiert. Statistik der Katholiken im Jahr 1684: Völklingen 127, Wehrden 46, Geislautern 22, Fürstenhausen 5, Ludweiler 11, also insgesamt etwa 200 Katholiken in dem neugegründeten Pfarrbezirk Völklingen (vgl. "750 Jahre Wehrden" Chronik eines Ortes). Den Katholiken räumte der Indentant Anteil an der Kirche dergestalt ein, dass gemeinschaftlich die Kirche, der Chor, die Glocken und der Kirchhof waren, während den Evangelischen die Pfarr- und Kirchengüter allein verblieben. Der katholische Geistliche wohnte nicht in Völklingen, sonder kam bis zum Jahre 1756 jedesmal aus Wadgassen hierher (vgl. Archiv der ev. Versöhnungskirche Martin-Luther-Haus, Völklingen). So findet sich im Völklinger (katholischen) Kirchenbuche,..., eine Eintragung des Prämonstratenser Canonicus Godefriedus Bleymann aus Wadgassen, in der er bekundet, dass er am 17. Dezember 1684 den ersten feierlichen Gottesdienst in der Simultankirche hielt (vgl. verschiedene schriftliche Unterlagen des Heimatforschers Franz Jakob Knoblauch). Die neue katholische Pfarrei wurde von dem Prämonstratenserkloster Wadgassen betreut.

Niederschrift des Prämonstratenser Canonicus Godefriedus Bleymann


1686
Neuer ev. Pfarrer wurde Johannes Nicolaus Hufschlag, geb. in Ottweiler 1649. Vorher Pfarrer in Dudweiler. Er wurde am 24. Juni 1686 durch französische Soldaten gefangen, von der Kanzel zu Cölln (= Martinskirche in Köllerbach (11)) nach Saarlouis geführt. Ehefrau: Anna Margaretha Schellenberger aus Ottweiler (vgl. "Liste der ev. Pfarrer in Völklingen" 13 "750 Jahre Wehrden" Chronik eines Ortes von Horst Meyer). Die ersten Aufzeichnungen in evangelischen Kirchenbüchern erfolgen. Godefriedus Bleymann wird der erste katholische Pfarrer der neuen Eligiuskirche, das mittelalterliche Martinspatrozinium ist erloschen.. Träger des Eligiuskultes sind die Prämonstratenser - Pfarrer aus Wadgassen. Das Mutterkloster des Ordens Prémontré liegt in Nordfrankreich, nahe beim Grab des heiligen Eligius in Noyon. So sind die kultischen Beziehungen gegeben. Die ersten Aufzeichnungen in katholischen Kirchenbüchern erfolgen.

1756
Umfangreicher Bericht des Amtmanns Christian Lex: ,,Das Dorf (=Völklingen) ist der alleinigen Nassau-Saarbrückischen Landesherrschaft unterworfen und die Untertanen sind leibeigen. Es stehen dermalen ohne die Kirche 74 Häuser allhier, wovon drei nicht bewohnt sind; 19 Häuser sind mit Ziegeln, die übrigen aber mit Stroh gedeckt; wie denn auch zwanzig Schornsteine mit Steinen, die übrigen aber von Holz erbauet sind. Es wohnen allhier 65 frondbare Gemeinsmänner und vier dergleichen Witwen, welche die ganzen Fronden praestieren; es ist aber nur ein konsumierender Hintersasse da, welcher Schirmgeld bezahlt, und keine dergleichen Wittib daselbst. Sechs Personen sind frei von Fronden, nämlich der Herr Pfarrer, der lutherische Schulmeister, der Jäger, der Büttel und die zwei Hirten. (Natürlich war der herrschaftliche Meier des Völklinger Hofes ebenfalls frei von Fronleistungen.) Dieser Dorfbann grenzt gegen Morgen (= Osten) an das französische Crichingen-Püttlingen, gegen Abend an den Wadgasser-Bouser Wald, gegen Mittag an die Saar und gegen Mitternacht ebenfalls an Bous. Mit diesen Nachbarn ist kein Grenzstreit, sondern der ganze Bann ist teils ausgesteinet, teils mit der Saar und Framersbach umgeben. Zu der Meierei Völklingen gehören die Dörfer Fürstenhausen, Geislautern, Wehrden und Knausholz; der zeitige Meier heißt Sebastian Frantz und die hiesigen Gerichtsleute sind Hans Konrad Wagner, Andreas Klicker und Hans Veiten Kunckel. Man findet hier zwei Feuerleitern und zwei Feuerhaken, welche an dem Schulhaus unter dem Dach hängen. Es sind drei gemeine Springbrunnen mit Trögen zur Tränkung des Viehes nebst vielen Privatbrunnen hierselbst; anstatt der gemeinen Schwemme aber dient die nahe vorbeifließende Köllerbach. Auf dem hiesigen Banne lieget weder eine Mühle noch ein Hof; doch sind die Untertanen in die Mühle zu Wehrden gebannet. Es steht zwar viel Waldung auf hiesigem Banne, es ist aber nichts davon herrschaftlich, sondern gehöret der Gemeinde. Es ist auch kein Weiher allhier, Frischwasser aber sind die Saar, die Köllerbach und die Framersbach zur Hälfte. Die gnädigste Herrschaft hat alle Jagd und Fischerei, doch ist denen Unterthanen bishero erlaubt, mit Handangeln und Hebegarnen auf der Saar zu fischen. Es wird hierselbst ein Zoll von gnädigster Herrschaft and ein Weggeld für die Gemeinde erhoben; hingegen zahlt die Gemeinde jährlich an gnädigste Herrschaft wegen des ehemaligen Bannbackofens und Weggeldes 5 Gulden und l Batzen. Schließlich wird eine geschriebene Dorfordnung in des Meiers Haus in der gemeinen Kiste aufbehalten und jährlich vorgelesen." (vgl. "Vom Königshof zur Hüttenstadt", Hanspeter Birchleitner 1950).
Bezüglich der konfessionellen Verhältnisse berichteter:
"Es befinden sich allhier 19 katholische Gemeindsmänner und 2 reformierte Weiber; die übrigen Einwohner sind alle der lutherischen Religion zugetan. Der lutherische allhier wohnende Pfarrer heißt Seidel, der katholische aus dem Wadgasser Kloster jedesmal hierher kommende Pastor heißet Koch, und der reformierte zu Ludweiler wohnende Pfarrer heißt Faesch. In dem hiesigen Dorfe stehet eine Kirche und ein lutherisches Schulhaus, und sind die Lutheraner und Katholiken von Fürstenhausen, Geislautern und Wehrden wie auch zum Teil von Klarenthal hier eingepfarret, dahingegen die hiesigen Reformierten nach Ludweiler eingepfarret sind. In der hiesigen Kirche ist das Simultaneum zwischen den Lutheranern und Katholiken hergebracht (bekanntlich seit 1684) und alterniert (= wechselt ab) die Praecedenz mit dem Frühgottesdienst alle Sonntage. Die Glocken, den Turm und die Kirchhofsmauer stellet und erhält der Völklinger Hof, nämlich das Dorf Völklingen, Fürstenhausen, Geislautern und Wehrden. Knausholz gehört zwar auch zum Völklinger Hof, es kontribuiret aber nichts zu denen Kirchen- und Schulsachen, wie dann alleine die hiesige lutherische Pfarrgemeinde das hiesige Schulhaus baut und erhält. Der katholische Schulmeister wohnt zwar als Gemeinsmann allhier, hält aber seine Schule in seinem Hause, teils jenseits der Saar zu Wehrden. Das Schiff der hiesigen Kirche wird zur einen Hälfte von dem Herrn von Warsberg (Lothringen) erbauet und erhalten, zur anderen Hälfte von der Herrschaft, gleichwohlen aber ziehet von dem großen Zehnten (Kornzehnten) hiesigen Bannes die gnädigste Herrschaft ein Drittel, das Stift St. Arnual ein Drittel und der Herr von Warsberg ein Drittel. Dahingegen vom kleinen Zehnten, welcher in Gewirk, Rapssamen, Immen, Ferkeln, Gänsen und Lämmern bestehet, der lutherische Pfarrer ein Drittel und die gnädigste Herrschaft zwei Drittel ziehet, als nach welcher Proportion auch der Herdbär von denen Percipienten (Zehnten-Teilnehmern) gehalten wird. Den lutherischen und reformierten Pfarrer setzet und salariert (= besoldet) gnädigste Herrschaft und resp. das Stift (= St. Arnual). Die katholische Kirche aber wird aus dem Kloster Wadgassen bedienet und der Pastor vermutlich von dem König von Frankreich besoldet."

 


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