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Mariä Himmelfahrt im alten Wadgassen – ein Marienfest mit langer Tradition
Wenn am 15. August im Saarland Mariä Himmelfahrt gefeiert wird, ist das für Wadgassen mehr als nur einer der wenigen gesetzlichen Feiertage, die es in dieser Form nicht überall in Deutschland gibt. Der Tag passt zu einem Ort, dessen Geschichte über Jahrhunderte eng mit der Verehrung Mariens verbunden war. Denn lange bevor die heutige Pfarrkirche
Mariä Heimsuchung gebaut wurde, stand im Zentrum Wadgassens eines der bedeutendsten Klöster der Saarregion: die Prämonstratenserabtei Wadgassen. Und dieses Stift war der Jungfrau Maria geweiht. Sein lateinischer Name „Abbatia Beatae Mariae Virginis“ erinnert noch heute daran. Die 1135 gegründete Abtei war damit von ihren Anfängen an ein Marienkloster.
Mariä Himmelfahrt, kirchlich genauer „Mariä Aufnahme in den Himmel“, gehört zu den ältesten Marienfesten der Christenheit. Gefeiert wird am 15. August die Überzeugung, dass Maria nach ihrem irdischen Leben mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Der Glaube daran lässt sich bereits im frühen Christentum nachweisen; 1950 wurde die leibliche Aufnahme Mariens von Papst Pius XII. für die katholische Kirche als Dogma definiert. Mit dem Fest ist seit mindestens dem 9. Jahrhundert auch die Kräutersegnung verbunden. Nach einer alten Überlieferung sollen die Apostel beim Öffnen des Grabes Mariens nicht ihren Leichnam, sondern Blumen und einen wunderbaren Duft vorgefunden haben. Daraus entwickelte sich die Verbindung zwischen Maria, Blumen und Heilkräutern.
Wie genau der 15. August im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kloster Wadgassen begangen wurde, lässt sich aus den bislang zugänglichen Quellen nicht detailliert rekonstruieren. Es wäre deshalb unseriös, dem Wadgasser Konvent bestimmte Prozessionen oder örtliche Bräuche zuzuschreiben, für die es keinen Beleg gibt. Sicher ist aber, dass die Verehrung Mariens zum religiösen Selbstverständnis der Abtei gehörte. Auch nach deren Untergang in den Wirren der Französischen Revolution verschwand diese Verbindung nicht. Das Marienpatrozinium der heutigen Pfarrkirche Mariä Heimsuchung wird ausdrücklich als Fortführung des Marienpatroziniums der ehemaligen Abteikirche verstanden.
Und auch der alte Brauch des 15. August lebt in Wadgassen weiter. Im Bistum Trier gehört der „Krautwisch“ bis heute zu Mariä Himmelfahrt. Kräuter und Blumen werden gesammelt, zu Sträußen gebunden und in der Kirche gesegnet. Früher bekamen diese Kräuter anschließend häufig einen besonderen Platz im Haus, wurden bei Krankheit verwendet oder als Zeichen des Schutzes und der Hoffnung aufbewahrt. Das Bistum Trier beschreibt den Krautwisch als Symbol der Unsterblichkeit des Menschen; mancherorts wurde er sogar Verstorbenen mitgegeben oder auf Gräber gesteckt.
Dass diese Tradition in der heutigen Gemeinde Wadgassen keineswegs nur Geschichte ist, zeigt der Blick auf die Gottesdienstordnung. Rund um Mariä Himmelfahrt werden weiterhin Gottesdienste mit Kräuterweihe gefeiert. 2025 fanden unter anderem Festhochämter mit Kräuterweihe in Friedrichweiler und Schaffhausen sowie an der Marienkapelle in Differten statt. In Wadgassen selbst folgte am Sonntag ein Hochamt mit Kräuterweihe in der Pfarrkirche Mariä Heimsuchung. Besonders lebendig ist die Tradition in Differten: Dort verbindet das Kapellenfest an der Marienkapelle den 15. August ausdrücklich mit Festhochamt und Kräutersegnung. Die gesegneten Sträuße sollen anschließend einen Ehrenplatz zuhause erhalten – eine erstaunlich beständige Tradition in einer Gemeinde, deren Geschichte sich ansonsten in den vergangenen Jahrhunderten grundlegend verändert hat.
Gerade deshalb besitzt Mariä Himmelfahrt für Wadgassen einen besonderen historischen Reiz. Die große Abteikirche existiert nicht mehr, das Kloster wurde vor mehr als zwei Jahrhunderten aufgehoben und von der einst mächtigen Prämonstratenserabtei ist nur ein Teil ihrer Bausubstanz geblieben. Doch etwas weniger Greifbares hat überlebt: die Marientradition des Ortes. Sie reicht vom mittelalterlichen „Abbatia Beatae Mariae Virginis“ über das Marienpatrozinium der heutigen Pfarrkirche bis zu den Kräutersträußen, die noch heute rund um den 15. August gesegnet werden.
So verbindet der Feiertag auf eine bemerkenswerte Weise das heutige Wadgassen mit seiner Vergangenheit. Wer am 15. August einen Krautwisch zur Segnung bringt oder an einem der Gottesdienste teilnimmt, pflegt einen Brauch, dessen Wurzeln weit ins Mittelalter zurückreichen und der sehr gut zu einem Ort passt, der fast sieben Jahrhunderte lang von einem Marienkloster geprägt wurde. Nicht jeder einzelne Wadgasser Brauch lässt sich über diese Jahrhunderte lückenlos zurückverfolgen. Aber die Verbindung zu Maria schon. Sie gehört zu den ältesten noch erkennbaren Traditionslinien Wadgassens.
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